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Mythos Apfel

Rilke, Rainer Maria (1875-1926)

Der Apfelgarten
Komm gleich nach dem
Sonnenuntergange,
sieh das Abendgrün des Rasengrunds;
ist es nicht, als hätten wir es lange
angesammelt und erspart in uns,
um es jetzt aus Fühlen und Erinnern,
neuer Hoffnung, halbvergeßnem Freun,
noch vermischt mit Dunkel aus dem
Innern,
in Gedanken vor uns hinzustreun
unter Bäume wie von Dürer, die
das Gewicht von hundert Arbeitstagen
in den überfüllten Früchten tragen,
dienend, voll Geduld, versuchend, wie
das, was alle Maße übersteigt,
noch zu heben ist und hinzugeben,
wenn man willig, durch ein langes
Leben
nur das Eine will und wächst und
schweigt.

 


Der Apfel im Volksbrauchtum

Der Apfel begleitet Menschen schon seit Urzeiten, ist Symbol für Liebe, Fruchtbarkeit und Leben. 
Berühmt wurde der (Granat?)Apfel, den Eva Adam reichte...er mutierte im Christentum vom Lebensspender zum sündigen Objekt.  Wenn die heilige Familie unter einem Apfelbaum abgebildet ist (wie bei Werken des flämischen Malers Rubens), wird damit auf die Fruchtbarkeit Marias hingewiesen. Er war  Symbol für Vergänglichkeit, in allen Kulturen hoch geschätzt, grundsätzlich auch ein Symbol für die Erde und vielen Göttinnen zugeordnet wie Ischtar, Venus, Hera, Iduna. 
Bei den Kelten ist  Avalon (die Apfelinsel) ein heiliger Ort, an Samhain (dem Hochfest der Kelten, die Nacht des 31.10 zum 1.11., heute eher als Halloweenfest bekannt, war der Apfel Symbol für Sterben und Wiedergeburt. 

   

Bei den Germanen wachte die Göttin Iduna über die goldenen Äpfel - die Asen aßen davon und erhielten ewige Jugend.

In Griechenland wurde der Apfel  berühmt, als Paris der schönsten Göttin einen Apfel geben sollte und durch die dadurch entstehende Eifersüchteleien den Trojanischen Krieg auslöste. 



Bekannt ist auch die Sage um den berühmten "Apfelschuss". Der  Schweizer Wilhelm Tell weigerte sich im Jahre 1291 , sich vor einem hohen Herrn zu verbeugen und mußte zur Strafe einen Apfel mit einer Armbrust vom Kopf seines eigenen Sohnes schießen.  Nachdem er gut gezielt hatte, sagte er allerdings, dass er mit seinem zweiten Pfeil den reichen Vogt getötet hätte, wenn der Apfelschuss misslungen wäre. Seither gilt er als Nationalheld und ist ein Symbol der Freiheit.

Martin Luther wird das Zitat zugeschrieben: "Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.”
Ein Apfel zeigt halbiert in der Mitte ein Pentagramm – das war und ist ein magisches Symbol, als Reichsapfel symbolisierte er die Erdkugel wegen seiner runden Form und steht er für die Herrschaft des Geistes auf der Erde, als Zeichen der Macht, der Weltherrschaft seines Besitzers. 


Der Apfel gilt als weiblich, die Birne als männlich; bei der Geburt eines Mädchens wurde daher immer ein Birnbaum, bei einem Jungen ein Apfelbaum gepflanzt 

Der Apfelbaum wird aber auch als Orakelbaum betrachtet: man sagte mit seiner Hilfe den Verlauf von Leben und Tod voraus. 
Aß man unmittelbar vor dem Tod noch einen Apfel, konnte die letzte Ölung nicht erteilt werden und man war auf ewig verdammt. 
 


Apfelbäume wurden auch vielfach mit Hexen und Unholden in Verbindung gebracht. 
Unter ihnen, wie unter vielen anderen Bäumen, tanzten Freitags die Hexen, so unter dem Hexenbäumle, ein Apfelbaum, in Rottenburg. 
Die erste schriftlich überlieferte Olympiade fand 776 v.Chr.  in Griechenland statt. Der Sieger bekam damals einen Apfel als Preis... heute gibt es eine Goldmedaille.

 

 
 
 
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